Uganda berührte mein Herz.

Ein Bericht von Monika Koczi – „Gründerin  Stream of Life“

Im Sommer 2017 hatte ich eine ganz besondere Begegnung, die mich tief bewegte. Ich habe mein  Patenkind Owen persönlich kennengelernt – ein cleverer und schüchterner Junge. Seine Art auf mich zuzugehen war vorsichtig und gleichzeitig neugierig, da Kinder in Uganda es nicht gewohnt sind, liebevoll behandelt zu werden. Meist sind sie auf sich selbst gestellt und müssen unauffällig ihr Dasein fristen. Es wird entweder forsch mit ihnen umgesprungen oder sie werden nicht gesehen. Kein Wunder also, dass Kinder in Uganda alle dasselbe Verhaltensmuster an den Tag legen – sie sind verlegen, schüchtern und demütig.

Owen hatte bald seinen 7. Geburtstag. Ich fragte ihn: „Owen, was ist Dein größter Wunsch“ und nachdem er lange nachgedacht hatte, sagte er: „Kekse!“ Es ist unfassbar, diese Kinder besitzen nichts, kennen kein Spielzeug oder Geburtstagsfeste! Das gibt es hier nicht, denn es gäbe auch nichts, was ihre Eltern ihnen schenken könnten. Hin und wieder bekommen sie von den „Vistas“, so werden wir hier bezeichnet, Süßigkeiten und genau das wünschte er sich. Ein Gefühl der Wut gegen diese Ohnmacht, der ich gegenüberstand, stieg in mir hoch und ich schwor mir, dass dieses Fest ein schönes werden soll. Eines, das ihn strahlen lässt. Aber was schenkt man einem Kind, das nichts hat, ohne einen Schaden anzurichten? Ich habe beschlossen, ein paar Tage darüber nachzudenken, ihn näher kennenzulernen, das Leben hier zu verstehen, damit es auch das Richtige ist.

Ich habe Owen nach Hause begleitet – wollte wissen, wie er lebt und wer seine Eltern sind! Es war ein beschwerlicher Weg von fast einer Stunde, den Owen jeden Tag zweimal gehen muss. Dieser Weg ist gefährlich, denn die Boda Bodas (so heißen in Uganda die Motorräder, die als Taxi dienen) fahren auf diesen unwegsamen Straßen schnell und  nehmen kaum Rücksicht auf das Geschehen. Besonders, wenn es regnet, sind die erdigen Straßen rutschig und Unfälle mit Fußgängern an der Tagesordnung.  Wir besuchten zuerst Owens Mum, eine junge Frau, die ihr mageres Einkommen als Näherin verdient Sie begrüßte mich, indem sie sich vor mir hinkniete, eine Geste des Dankes, die mich unangenehm berührte. Gemeinsam gingen wir dann weiter zu jenem Haus, das Owens Familie derzeit bewohnen darf. Ja, Ihr habt Euch nicht verlesen – sie dürfen dort wohnen, weil diese Häuser derzeit vom Besitzer saniert werden und solange sie saniert werden, leer stehen. In diesem Haus ist nichts. Die Einrichtung besteht aus zwei Plastikstühlen, drei Matratzen und Moskitonetzen. 

Owens Vater, den wir zu Hause antrafen, erzählte mir, dass sie bald auf der Straße stehen, denn die Renovierung ist fertig und nun werden die Häuser vermietet. Dann wissen sie nicht, wie es weitergeht! Zu wenig Geld und kein Job machen es unmöglich, ein neues Heim zu finden. Ich fragte nach Owens Geschwistern und Owens Mum erzählte mir, dass sein kleiner Bruder bei der Großmutter lebt! Er ist klein, etwa zwei Jahre alt, und sie können ihn in diesem Umfeld nicht gut genug versorgen. Nicht einmal Milch können sie warm machen, geschweige denn, das hygienische Umfeld bieten, das ein Baby braucht. Owens Mum hatte Tränen in den Augen, sie schämte sich und zog sich still zurück.

Es ist der Moment, wo mir klar wurde, dass ich mit der Patenschaft für Owen die Verantwortung für sein Leben übernommen habe. Dieses Kind hat ohne meine Unterstützung keine Chance zu überleben oder ein besseres Leben zu führen. Owen taute ein wenig auf, fasste Vertrauen und er zeigte mir, wie er schläft. Eine dünne Matratze mit Moskitonetz im Nebenraum, durch eine Decke abgeschirmt von der Matratze der Eltern! Ich fasste es nicht! Ich musste gehen! Eine Hochschaubahn der Gefühle – wir haben so vieles, sie haben nichts.

Owens Familie begleitete uns ein Stück auf dem Rückweg und dann geschah das Unfassbare. Owen nahm vorsichtig meine Hand, ganz sanft, sehr vertrauensvoll und die Liebe, die ich in diesem Moment spürte, ist wohl mit jener eines eigenen Kindes vergleichbar. Mein Herz war ganz weit offen und ich, der Kopfmensch, bestand nur mehr aus Gefühlen. Owens Vater überraschte mich mit einem Geschenk. Man muss sich vorstellen, dieser Mann kann nicht mal seine Kinder ernähren, aber mir kaufte er zwei Zuckerpflanzen. Welche Hoffnung muss ich für diese Familie sein. Er erzählte mir von seinem Leben, dass er viel Angst um Owen hat, wegen des Schulwegs und dass er sich sehr wünscht, sein Kind im ‚Boardingprogramm‘ (eine Art Internat) unterzubringen.

Und dann weiß ich es: Ich werde Owen eine Zukunft schenken. Ich werde ihm das ‚Boarding‘ ermöglichen. Alles, was es dazu braucht, ist ein Bett und 10 Euro Monatsbeitrag mehr, um die kleinen Dinge des täglichen Bedarfs abzudecken. 

Er weiß es noch nicht und ich freue mich auf seinen Geburtstag. Es wird alles vorbereitet und ich weiß jetzt schon, dass diese Kinderaugen scheu und verlegen strahlen werden. Er ist ein ganz besonderer Junge und er hat sich ein liebevolles und sicheres Zuhause verdient. Mir werden diese 10 Euro nicht fehlen, für ihn bedeutet es Leben! 

Heute lebt Owen in der Boarding Sektion der Full of Joy Junior Academy und ist ein glücklicher Junge, der ein sicheres Zuhause gefunden hat. Ich besuche ihn jedes Jahr, wenn ich nach Uganda fahre und wir halten Kontakt via Whats App – er gehört zu meinem Leben und ich wohl ein Stück zu seinem.